GEFANGEN eine Liebe hinter Gittern Drucken E-Mail
Geschrieben von ch   
Mittwoch, 12. März 2008

ImageDer junge Kleinkriminelle Dennis wird ins Gefängnis eingeliefert. Sein Trakt wird beherrscht von einem skrupellosen Bandenchef, der zudem noch mit dem zuständigen Wärter unter einer Decke steckt. Lutz sitzt schon länger, hat seine Kumpels fest im Griff und auch den Drogenhandel bestens unter Kontrolle. Nichts läuft ohne seine Zustimmung.

„Es gilt hier nur eine Regel und das ist genau das, was ich sage!“ Damit begrüßt er Dennis in seinem Zellentrakt. Die Rollen sind klar verteilt. Es gibt den verängstigten Häftling, der für alle die Putzdienste erledigt, die Bandenmitglieder, die scheinbar ohne eigene Stimme sind und da macht es sich nicht gut, wenn ein Neuer hier die Tradition brechen will. Dennis ist zwar ein ruhiger Typ, aber nicht feige. Und das beeindruckt Lutz.

ImageSchnell hat er den „Kleinen“, wie er ihn fast väterlich nennt, auf seiner Seite. Doch dann lernt Dennis Mike kennen, dessen Zelle sich in einem anderen Trakt befindet. Die beiden können sich nur heimlich während des wöchentlichen Hofgangs treffen. Erste gemeinsame Augenblicke, ein schüchternes Treffen folgt. Für beide steht fest, dass sich hier was ganz besonderes entwickelt. Und so wird aus zunächst sexuellem Interesse Liebe. Die Realität allerdings sieht wesentlich komplizierter aus. Es herrscht ein Bandenkrieg zwischen den verschiedenen Zellentrakten. Und schnell wird die Liebe der beiden öffentlich gemacht. Der Direktor schaltet sich ein, verordnet die Einzelhaft für beide. Doch sie lassen sich nicht einschüchtern. Immer wieder versuchen sie, zusammen zu kommen. Schließlich gelingt es ihnen, ihre Gegenspieler auszuschalten und in eine gemeinsame Zelle verlegt zu werden.

Eine kurze, glückliche Zeit folgt bis eines Tages Dennis Mutter mit der freudigen Nachricht kommt, dass er vorzeitig entlassen werden kann. Sie hätte alles in die Wege geleitet, einen neuen Anwalt gefunden, der sich richtig einsetzt für ihn und bald sei es soweit. Doch die neu gewonnene Freiheit, die Dennis verspürt, ist nicht seine Vorstellung von einem glücklichen Leben. Denn Leben bedeutet Liebe und die hat er schließlich intensiv zu Mike empfunden.

Dennis hat einen Plan für den Weg von einer Freiheit zurück in die andere Freiheit, zurück zu seiner großen Liebe Mike.

REGISSEUR JÖRG ANDREAS ZUR ENTSTEHUNG VON GEFANGEN

Jörg Andreas, Jahrgang 1966, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin und an der Filmklasse der Hochschule für Bildende Kunst in raunschweig. 1996 gründete er in Berlin die Firma Cazzo Film, die sich seitdem zum bekanntesten Produktionshaus schwuler Pornofilme in Deutschland entwickelt hat.

Jörg Andreas führte bei den meisten Produktionen selbst Regie. GEFANGEN wurde im Jahr 2003 in einem leer stehenden Gefängnis im Mecklenburg Vorpommern gedreht und die Postproduction im Jahre 2004 abgeschlossen. Die Produktion wurde komplett aus Mitteln der Firma Cazzo Film finanziert. Die Besetzung besteht bis auf wenige Ausnahmen aus Laiendarstellern. Parallel zu GEFANGEN wurde auch ein Pornofilm gedreht, an dem ein Teil der Darsteller ebenfalls mitwirkte.

AM ANFANG: DIE LOCATION

ImageDer Stein kam ins Rollen durch den Hinweis einer Bekannten auf ein leer stehendes Gefängnis in Mecklenburg Vorpommern. Ich hatte einmal erwähnt, dass es nach ca. zwanzig Filmen für Cazzo Film nicht mehr viele Themen gäbe, die mich noch reizen würden. Ein Porno im Gefängnis gehörte auf jeden Fall dazu. Ich konnte mir jedoch schwer vorstellen, für ein solches Projekt einen passenden und bezahlbaren Drehort zu finden. Doch nach einem Ausflug nach Neustrelitz Anfang 2003 war er plötzlich da: Ein komplett leer stehendes Gefängnis, ca. 100 Km von Berlin entfernt. Wenn wir wollten, konnten wir es haben: Kostenlos, verblüffend unbürokratisch und vor allem ohne das nähere

Fragen gestellt wurden. Für die baufällige und zum Teil denkmalgeschützte Anlage wurde ein Investor gesucht – ein schwieriges Unterfangen. Den Verantwortlichen war daher sehr an Öffentlichkeit gelegen. Wir zögerten. Der Anfahrtsweg über die Landstraße von Berlin war beschwerlich. Es gab kein fließendes Wasser und keinerlei Mobiliar mehr. Sogar die Türschlösser waren ausgebaut worden. Und die Räume befanden sich in einem desolaten Zustand. Doch dann entschieden wir, dass wir uns eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen dürften. Und ich fand, dass wir aus einer solchen Location mehr machen müssten als nur einen Pornofilm. Ich hatte Lust, einmal eine richtige“ Geschichte zu erzählen und das Gefängnisthema reizte mich. So entstand die Idee für dieses Projekt: Spielfilm und Pornofilm im Doppelpack.

Doch die Zeit drängte: Jederzeit konnte das Gelände abgerissen oder verkauft werden und der Verfall schritt voran. Das Projekt musste im Sommer 2003 stattfinden. Für das Schreiben des Drehbuchs blieben nur wenige Wochen.

DAS DREHBUCH

Inspiriert wurde ich durch die einige Jahre zurückliegende Begegnung mit Rene, der sich bei uns einmal als Pornodarsteller beworben hatte. Rene hatte in der DDR viele Jahre im Gefängnis verbracht. Und blickte mit Wehmut auf diese Zeit zurück. Denn im Knast hatte er seine große Liebe erlebt. „Draußen“ dagegen fand er sich nicht zurecht. Er glaubte nicht daran, dass er eine solche Liebe noch einmal finden würde. Eine weitere Inspirationsquelle war für mich das Buch „22 Jahre Knast“ von Dimitri Todorov (München 2002). In dieser Autobiographie erzählt Todorov von seinem Kampf gegen ein fragwürdiges Urteil, vom unmenschlichen Strafvollzug im Bayern der 70er Jahre, von Revolten und Ausbruchsversuchen. Und von seiner Liebe zu einem schwarzen Amerikaner, mit dem er sich jahrelangen nur heimlich treffen kann. Sie werden entdeckt und immer wieder bestraft, doch schließlich gelingt es ihnen, in eine gemeinsame Zelle verlegt zu werden.

DIE BESETZUNG

ImageNach dem Schreiben des Drehbuchs war die Besetzung die nächste Herausforderung. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen war klar, dass wir Spielfilm und Pornofilm nicht getrennt hintereinander drehen konnten, sondern parallel und miteinander verbunden. Die Hauptdarsteller mussten also aus dem Kreis unserer Darsteller oder Bewerber stammen und bereit sein, an expliziten Sexszenen mitzuwirken. Marcel Schlutt (Dennis) und Mike Sale (Mike) waren bereit, doppeltes Neuland zu betreten. Beide hatten weder Porno- noch nennenswerte schauspielerische Erfahrungen bis dato

gesammelt. Auch wenn es für beide nicht neu war, vor der Kamera zu stehen. Marcel als Fotomodell und als Moderator einer TV-Sendung und Mike im Rahmen seiner Arbeit als Videokünstler. Beide fand ich gleich sehr passend für ihre jeweilige Rolle. Und ich hatte das Gefühl, dass sie in der Lage wären, ihre Figuren glaubwürdig zu verkörpern. Dieses Gefühl hat sich bestätigt. Für die Rolle des Mike hatte ich nicht zwingend einen schwarzen Darsteller gesucht. Aber ich war froh, dass es sich so fügte. Zum einen, weil sich so eine Korrespondenz zu Todorovs Buch ergab und weil es der Geschichte eine

zusätzliche Dimension verlieh. Ein Kennenlernen von Marcel und Mike war der nächste wichtige Schritt. Würden sie sich mögen? Könnten sie sich vorstellen vor der Kamera Sex miteinander zu haben? Zu meiner großen Erleichterung schienen sich die beiden sympathisch zu sein. Und glücklicherweise lebten beide in Berlin, so dass wir die Möglichkeit hatten, schon einige Wochen vor Drehbeginn mit Proben zu beginnen und uns so näher kamen. Mit Pedro Sobisch als Direktor und Ulrike Schirm als Mutter konnte ich erfahrene Schauspieler für wichtige Nebenrollen gewinnen. Ulrike Schirm, durch Filme von Lothar Lambert bekannt geworden, war mir kurz zuvor in Bruce La Bruce’s THE RASPBERRY REICH aufgefallen – von meinem ehemaligen Kollegen Jürgen Brüning produziert. Ralf Stahl (Lutz) hatte zwischen 1997 und 1999 in drei Cazzo Produktionen mitgewirkt, u.a. in Bruce La Bruce’s SKIN FLICK. Er sah seine Pornokarriere eigentlich als beendet an, aber ließ sich für dieses besondere Projekt noch einmal gewinnen. Bei David Parstein (Kevin) handelte es sich dagegen um ein hoffnungsvolles neues Pornotalent.

DIE DREHARBEITEN

Für Cazzo Film als Produktionsfirma war der GEFANGEN Dreh nach SKIN FLICK (1998) das bisher aufwändigste Projekt. Budget, Drehzeit und die Zahl der Mitwirkenden lagen weit über dem Maß unserer üblichen Produktionen. Eine Ruine wieder in einen halbwegs benutzund filmbaren Zustand zu versetzen, war eine zusätzliche Herausforderung. Es war ein Wagnis. Mit sechzehn Tagen Drehzeit für Spielfilm und Pornoszenen hatten wir knapp kalkuliert. Zu knapp, wie sich schnell herausstellte. Drehtage von nicht unter 12 Stunden zehrten schnell an den Nerven. Ein verfallener Knast ist kein Ort zum Wohlfühlen. Und dann war im Juli auch noch das Wetter kühl und regnerisch. Es war nicht einfach. Und es flogen auch die Fetzen. Doch alle hielten durch. Und am Ende der Drehzeit hatten wir alles im Kasten.


Der Film kann bei Pro-Fun Media bestellt werden

Kommentare
Neuer KommentarSucheRSS
Kommentar schreiben
Name:
Website:
Titel:
 
 
Security Image
Bitte gib die 5 Zeichen, die du in der Grafik siehst, in das Textfeld ein.

Die Meinungsfreiheit ist uns sehr wichtig!

Dennoch dulden wir in diesem Forum keine Verstöße gegen
das geltende Recht (Beleidigung, Verleumdung, Hetze, Aufrufe zu Straftaten),

Wir bitten euch aus Urheberrechtsgründen keine Texte von fremden Webseiten zu posten.

Um Missbrauch vorzubeugen, prüfen wir jeden eingereichten Kommentar, bevor wir ihn online stellen.


Administrator
Autoreninfo:


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 12. März 2008 )
 
< Zurück   Weiter >

Newsletter








Terminkalender BaWü

Anzeige

Gay-Industries Club

Vote Now!

Auf welchen CSD gehst du?
 

Anzeige

User des Monats

User: Unity29

Webradio

Anzeige

Anzeige