Schweizer Aids-Kommission: Das Risiko, sich bei einem HIV-Positiven zu infizieren, der eine erfolgreiche Therapie macht, ist gleich null. Die Schweizer "Eidgenössische Kommission für Aidsfragen" (EKAF) hat jetzt ausgesprochen, was seit einiger Zeit bei den AIDS-Hilfen und Ärzten diskutiert, aber noch nicht öffentlich propagiert wurde: Es gibt nur noch ein theoretisches Risiko, sich beim Sex mit einem HIV-Positiven zu infizieren, wenn dessen Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt.
Im Beschluss der EKAF, der die aktuellen medizinischen Erkenntnisse berücksichtigt, steht es eindeutig: "Eine HIV-infizierte Person ohne andere sexuell übertragbare Erkrankungen, unter einer antiretroviralen Therapie (ART) mit vollständig supprimierter Virämie ist sexuell nicht infektiös, das heißt, sie gibt das HI-Virus über Sexualkontakte nicht weiter." Ein paar Bedingungen müssen jedoch erfüllt sein: Die Viruslast liegt seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze und es bestehen keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern. Krankheiten wie Syphilis oder Tripper können die HI-Viruslast im Blut nämlich wieder ansteigen lassen.
Das EKAF gibt eine konkrete Entwarnung: "Das Risiko einer HIV-Übertragung beim Sex ohne Kondom unter vollständig supprimierter Viruslast ist deutlich geringer als 1:100.000. Das verbleibende Restrisiko lässt sich zwar wissenschaftlich nicht ausschließen, es ist aber nach Beurteilung der EKAF und der beteiligten Organisationen vernachlässigbar klein." Theoretisch wäre es damit sogar möglich, unter bestimmten Bedingungen auf das Kondom zu verzichten. So könnten sich zum Beispiel Paare, die ihren Immunstatus und ihre gesundheitliche Situation kennen, dies als Option überlegen. Die Botschaft der EKAF entlässt aber nach wie vor niemanden aus der Verantwortung, sich Gedanken über Safer Sex zu machen.
Für HIV-Positive ist dies allerdings eine sehr gute Nachricht, da es sie seelisch entlastet. So sieht es auch der langjährige Aids-Aktivist Bernd Aretz von der Aids-Hilfe Offenbach: "Der offene Umgang mit der Infektion wurde erschwert, weil Positive, wenn sie ihren Status offen kommunizieren, in einem erheblichen Masse mit Ablehnung als potentielle Sexualpartner rechnen müssen. Verlogenheiten, Depressionen, übermäßiger Konsum von Alkohol sind eine häufige Folge. Was das Gefühl, als gefährlich wahrgenommen zu werden und im Interesse einer breiten Prävention als Angstgegner funktionalisiert zu werden, mit den Seelen machen kann und wie es auf Partnerschaften einwirken kann, liegt auf der Hand." Links zum Thema: Weitere Infos im Weblog |