Protest gegen Ausstellungsverbot in Berlin Drucken E-Mail
Geschrieben von dk   
Monday, 29. September 2008

ImageAm Donnerstag präsentierte das Anti-Gewalt-Projekt Maneo seine Wanderausstellung "Zeugnisse schwulenfeindlicher Gewalt" auf dem Berlin-Reinickendorfer Rathausvorplatz der Öffentlichkeit – eine Ausstellung im Rathaus war zuvor verboten worden. Die Aktivisten wollten damit die Bürger auf das Problem der homophoben Gewalt aufmerksam machen. Die zwölf Schautafeln waren bereits mehrfach und ohne Probleme öffentlich ausgestellt worden – etwa im Rathaus Wilmersdorf.

Der Bezirk Reinickendorf hatte argumentiert, die in der Ausstellung gezeigten Bilder von realen Auswirkungen schwulenfeindlicher Gewalt seien unter Jugendschutzgesichtspunkten nicht zu vertreten. "Es werden schwere Verletzung gezeigt. Das hielten wir im Kulturausschuss mehrheitlich für ungeeignet für ein offenes Foyer", verteidigte Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) das Ausstellungsverbot.

ImageManeo hält diese Argumentation für nicht haltbar: "Die Bildmotive sind in den erkennbaren Kontext einer Ausstellung eingebunden, außerdem betitelt und beschriftet sowie von Texten begleitet, die den Betrachter über den Hintergrund informieren." Die Ausstellung richte deshalb den Fokus auf die brutalen Taten sowie auf die damit einhergegangenen Folgen für die Opfer. "Die Ausstellung regt zum Nachdenken und zu Gesprächen über vorurteilsmotivierte Hassgewalt gegen Homosexuelle an", so Maneo. Vertreter des Anti-Gewalt-Projektes sehen die Zurschaustellung der Bildern Reinickendorf nicht als Protest, sondern als "Dialogangebot" an.

LSU kritisiert Maneo und verteidigt Verbot 

Die Lesben und Schwulen in der Union glauben dagegen, die Empörung über das Ausstellungsverbot durch Maneo und den Lesben- und Schwulenverband sei parteipolitisch motiviert. Die LSU Berlin wirft den Homo-Verbänden vor, mit ihrer Kritik an Schultze-Berndt eine Kampagne gegen die CDU durchzuführen. Schließlich seien auch andere Parteien im Kulturausschuss des Bezirkes vertreten, der das Ausstellungsverbot unterstützt hätten.

Das Verbot wird von der LSU verteidigt: "Aufgrund des hohen Publikumsverkehrs im Rathaus würden automatisch auch Kinder unvorbereitet mit diesen harten Bildern konfrontiert", heißt es in einer Pressemitteilung.

In Reinickendorf gab es in den letzten Jahren bereits mehrfach Auseinandersetzungen zwischen Homo-Aktivisten und den Behörden. So hatte Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) 2007 die Anliegen von Schwulen und Lesben mit denen der NPD verglichen. Sie weigerte sich, zum CSD die Regenbogenfahne zu hissen, wie es zuvor die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen hatte. Erst in diesem Jahr wurde sie von Innensenator Erhart Körting (SPD) dazu gezwungen. (dk)

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