Auch Schwule spielen im Bett Theater – manchmal kann das sogar bereichernd sein. Nicht nur Frauen täuschen ihren Partnern schon mal einen Orgasmus vor. Auch in schwulen Beziehungen werden "Höhepunkte" aus den verschiedensten Gründen simuliert
was wegen der ausbleibenden Ejakulation allerdings eine noch größere Herausforderung darstellt.Der aktive Partner muss das spermafreie Kondom schnell verschwinden lassen, der passive Partner im entscheidenden Moment seinen Schwanz außer Sichtreichweite bringen und mit Spucke einen feuchten Fleck auf dem Laken erzeugen. Warum ist es so wichtig, zu kommen bzw. so zu tun? Eine jahrhundertewährende Reglementierung und Unterdrückung der Sexualität hat sich in der Zeit der sexuellen Aufklärung geradezu ins Gegenteil entwickelt. Der Orgasmus wird häufig als höchstes Ziel beim Sex betrachtet, das es unter allen Umständen zu erreichen gilt. Irgendwie fühlen wir uns beim Sex, ja selbst beim Wichsen, zum Orgasmus verpflichtet. Die Krux dabei: Diese oft unbewusste und leistungsorientierte Haltung ist dem Erleben eines Orgasmus abträglich. Sie stört die natürliche Neugier, Kreativität und Freude, die das spielerische Wesen der Sexualität ausmachen. Menschen, die selten oder nur mit großer Anstrengung einen Orgasmus erleben, fühlen sich daher oft minderwertig und haben Angst davor, dahingehend »entlarvt« zu werden. 59% der Männer haben schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht Als Reaktion auf diesen Leistungsdruck haben auch viele Männer beim Ficken schon einmal oder mehrfach einen Orgasmus simuliert, manche tun es sogar regelmäßig. Untersuchungen zur "Orgasmuslüge" unter Schwulen gibt es nicht. Nach einer Emnid-Umfrage haben nur zwanzig Prozent der deutschen Frauen und 41 Prozent der deutschen Männer ihrem Partner noch nie einen Orgasmus vorgetäuscht.  Screenshot von beautifulagony.com Warum wird im Bett so viel Theater gespielt? Die einen gaukeln ihrem Partner aus Angst, möglicherweise als unvollkommen zu gelten, einen Orgasmus vor, andere wollen das Selbstbewusstsein des Partners stärken und wiederum ihn nicht als »Versager« dastehen lassen. Die Gründe sind mannigfaltig und können bis zur Furcht vor dem Verlassenwerden durch den möglicherweise enttäuschten Freund reichen. Der vorgetäuschte Orgasmus, auch »vorgespielter Orgasmus« oder »Orgasmuslüge« genannt, gehört deshalb in den Bereich der Notlüge. Auch viele Stricher und Callboys täuschen ihren Kunden zuweilen einen Orgasmus vor. Manche Männer wollen nicht zeigen, wenn plötzlich der Wunsch nach Entspannung größer wird als der sexuelle Trieb. Durch das Orgasmus-Vortäuschen wird hier der Druck einer vermeintlichen Rechtfertigung gegenüber dem Partner verhindert. Häufiger ist die Befürchtung der Motor, dem Partner nicht ausreichend das Gefühl geben zu können, dass er begehrenswert ist, wenn der eigene Orgasmus ausbleibt. Andere hingegen täuschen manchmal einen Orgasmus vor, wenn sie den Partner zum Abspritzen animieren wollen - entweder um einen als anstrengend oder schmerzhaft empfundenen Fick auf subtile Weise zum Abschluss zu bringen oder aber um durch die kurzfristige Zunahme der Reizung auch selbst in den Genuss eines echten Orgasmus zu kommen. Ein gelegentliches Vorspielen des Höhepunkts kann für ein Paar also in manchen Fällen bereichernd sein. Über Lust und Frust beim Sex sollte man reden Wichtig ist es auf jeden Fall, über Lust und Frust beim Sex miteinander zu reden. Nichts ist abtörnender, als ein vermeintlich lustvoll stöhnender Partner, der vor Schmerzen das Gesicht verzieht. Je besser sich ein Liebespaar kennt, desto schwieriger wird es im Übrigen, einen vorgetäuschten Orgasmus unentdeckt zu lassen. Simuliert ein Partner den Höhepunkt regelmäßig und erlebt beim Sex nie einen echten Orgasmus, kann das zu einem großen Problem werden: Es wird für ihn immer schwieriger, sich zu offenbaren und einen Weg aus diesem Teufelskreis zu finden.
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