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Orgien-Trip an die Spree Drucken E-Mail
Geschrieben von Von Christian Scheuß   
Saturday, 17. November 2007

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(Fotos: Eurocreme.com)
Wenn du nach Berlin fährst, vergiss die Kondome nicht. Eindrücke aus der Hauptstadt der schwulen Sexpartys. "Du willst Berlin wegen der Sexpartys besuchen? Dann geh unbedingt ins Berghain!!!" Die Ausrufezeichen pieksen durch den Telefonhörer hindurch in mein Ohr, und das Rauschen der Leitung wird plötzlich überlagert von einem erotischen Knistern.

Auch die Stimme meines Freundes, einem eingefleischten "Hier bin cik jeborn, hier werd ick sterm"-Berliner, bekommt plötzlich etwas Verruchtes. "Das ist die allerbeste Sexparty von allen, mein Geheimtipp!"

In Wirklichkeit ist der Geheimtipp gar keiner mehr und offiziell ist es auch gar keine Sexparty, sondern einfach nur eine überaus erfolgreiche Club-Location mit angesagten DJs, in der die Partys tief in der Nacht beginnen und gern mal am Nachmittag enden. Nur das hier halt zusätzlich bei 130 Beats per minute im Darkroom gevögelt werden kann. Das orgiastische Erleben aus Drums, Dödeln und Drogen ist allerdings so beeindruckend, dass selbst die Amsterdamer aus ihren traditionellen Leder- und Darkroom-Bars kriechen, sich sieben Stunden hinters Steuer klemmen, um dann einen Nervenzusammenbruch zu bekommen, wenn sie Türsteher Sven mal nicht rein lässt.

Selbst Berlin Tourismus wirbt mit Darkrooms

ImageMehr als 20 regelmäßig stattfindende Partys listen die schwulen Stadtmagazine in einer eigenen Rubrik. Hinzu kommen die Bars mit ihren Darkrooms, die Saunen und Kinos mit ihren Kabinen und die vielen privat organisierten Feten, die häufig über die gayromeo-Clubs vernetzt sind. Angeblich gibt es in keiner anderen Stadt der Welt mehr Sexpartys. Was allerdings nicht belegt ist. Auch in San Francisco, New York oder Bangkok geht in Sachen Sex ordentlich die Post ab. Mit dem Unterschied, das nicht alles offiziell als Sexparty gilt, wo mehr als drei Leute zusammenstehen und sich geil anschauen. Anyway, auffallend ist schon, dass die Hauptstädter hinkriegen, was man in Köln, Würselen und sonstwo in der Republik nicht schafft. Sogar das offizielle Tourismusmarketing benennt den Fun und Fuck-Faktor ganz deutlich beim Namen. O-Ton auf der Website von Berlin Tourismus: "Auch das Prinzknecht bietet mit seinem Darkroom und dem Biergarten viel Spaß und Action." Wie wahr.
 
 
Warum konzentriert sich so viel Masse und Klasse in Berlin? Sind die Frankfurter einfach zu beschäftigt mit Geldverdienen, die Münchner in CSU-Land zu klemmig, die Hamburger im coolen Norden zu prüde und die Kölner zu betrunken vom dauernden Schunkeln mit viel Kölsch? Daran, dass so viele Menschen im Dunstkreis der ehemals geteilten Stadt leben, kann es allein nicht liegen. Das Ruhrgebiet als bevölkerungsreichste Region Deutschlands müsste demnach eigentlich eine viel vitalere Sexszene besitzen. Hat sie aber nicht. Sexuelle Innovation ist hier offensichtlich nicht so angesagt. Stattdessen nimmt man in Essen lieber vom Second Hand-Markt die Love-Parade, die sich in Berlin längst verschlissen hat. Das Berghain hätte vielleicht eine Chance, in der Zeche Zollverein unterzukommen, sollte es irgendwann einmal in Friedrichshain nicht mehr so laufen.

Die Dark Angels haben viel zu tun

ImageDas wilde Treiben, das manche als Antwort auf den Abbau der Klappen interpretieren, ist nicht nur positiv zu sehen. Die Aids-Präventionisten raufen sich mitunter die Schamhaare, wenn sie von diversen Partygängern hören, dass in manchen Darkrooms das Gummi – um es mal vorsichtig zu sagen - eher unbeliebt sei. Es gibt auch nirgends sonst so viele private Veranstaltungen, die sich explizit als Bareback-Partys anbiedern. Leider geht mit dem häufigen Drogen- und Alkoholkonsum oft auch ein Kontrollverlust einher. Manch einer geht plötzlich Risiken ein, die er sich mit nüchternem Kopf niemals gewagt hätte. Die Berliner Antwort auf das Vögeln bei ausgeschaltetem Verstand sind die "Dark Angels", eine Truppe von Ehrenamtlern, die sich in den Darkrooms und Fickkabinen zu erkennen geben als Männer, die selber Safer Sex bevorzugen und die bei Bedarf mit Info und Rat zur Seite stehen. Ein niedrigschwelliges Angebot, das - ähnlich wie Herzenslust in NRW - das Zeug dazu hat, als bundesweites Präventionsprojekt erfolgreich zu sein.
 
 
Bei den Partys des Vereins Ajpnia dürfen alle mitfummeln
 
Nicht zu unterschätzen sind auch die diversen Gruppenzwänge. Wer sich zu alt, zu dick oder zu unattraktiv vorkommt, wird auf den Events von keinem Sozialarbeiter begleitet und aufgepäppelt. Suck it oder stirb! Das ist aber glücklicherweise nicht überall so. Eine der Ausnahmen ist beispielsweise der Verein Ajpnia, der mehrmals in der Woche in den Räumen eines ehemaligen Trödelladens in Schöneberg Sexpartys für alle veranstaltet. Egal ob sie 20 oder 80 sind, magersüchtig oder übergewichtig, muskulös oder pickelig.

In der anonymen Masse fickt es sich wohl einfacher

Aber noch mal zurück zur Frage, warum der Rest der Republik neidisch gen Osten blickt, statt das man in der eigenen Stadt Feten-fickt? Nun, die Metropole zieht halt einfach in allen Bereichen die kreativsten Köpfe an. Es ist ja auch kein Zufall, dass sich in Berlin die Künstler knubbeln, es eine Konzentration schwul-lesbischer Medien gibt und auch die Gay-Pornobranche am aktivsten ist. Allein schon die gefühlte Homodichte pro Quadratmeter ist in keiner anderen Stadt Deutschlands höher. Und all diese Männer suchen sich ihre Lustorte. Viel Nachfrage schafft da das Angebot.

Und das wiederum lockt zahlreiche Touristen an. Da braucht man sich nicht mehr die Mühe machen, und selber eine Party in Bad Salzuflen organisieren, auf der man möglicherweise auch noch auf Personen aus der Bekanntschaft trifft, die man nicht wirklich nackt in Aktion sehen möchte. In der anonymen Masse fickt es sich einfacher.

Links zum Thema:
Sexpartys von Ajpnia e.V. 
 

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Letzte Aktualisierung ( Saturday, 17. November 2007 )
 
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